Freiraumplanung Wasserturm

 

 

Konzeption

zur Entwicklung und Gestaltung des Freiraums

in der Umgebung des Wasserturms

 

Wasserturm

 

- 1. Fortschreibung -

 

 

Stand             15.04.2013

 

 

1          Veranlassung

 

Die Stadt Ketzin/Havel ist bestrebt, die städtischen Freiräume an den Siedlungsrändern schrittweise einer harmonischen Gestaltung zu unterziehen, um die städtebauliche Qualität dieser Flächen aufzuwerten. Der Schwerpunkt liegt hier i.d.R. nicht auf einer baulichen Entwicklung, sondern auf einer Verbesserung der Freiflächen-, Erholungs- oder Infrastrukturen sowie in der Beseitigung von Missständen und Fehlentwicklungen.

Im Jahr 2009 hat die Stadtverwaltung mit einer Freiraumplanung für das erweiterte Gebiet um den Wasserturm begonnen. Die Planung soll ein Konzept mit Handlungs- und Zeitrahmen entwickeln, das der Stadt als Instrument für eine schrittweise und koordinierte Um- bzw. Neugestaltung über einen längeren Zeitraum dient.  Im Juni 2010 wurde der erste Arbeitsstand des Konzeptes dem Bauausschuss der Stadt zur Diskussion vorgestellt. Im Ergebnis wurde beschlossen, das Konzept in der Öffentlichkeit, bei Vereinen, Interessengruppen, in der Verwaltung und bei engagierten Privatpersonen zur Diskussion zu stellen. Als Ausgangspunkt der 1. Fortschreibung wurden die eingegangenen Vorschläge und Anregungen ausgewertet, geordnet und in die Bearbeitung einbezogen. Zugleich werden die seit 2010 im Bearbeitungsgebiet eingetretenen Veränderungen  berücksichtigt.

 

2          Bearbeitungsgebiet

 

Das Bearbeitungsgebiet liegt am östlichen Rand der Stadt. Es erstreckt sich im

 

Norden          bis zur Falkenrehder Chaussee,

Osten                        bis zum Grünen Weg,

Süden            bis an die Landwirtschaftsflächen südlich des Wasserturmes und

Westen          bis an das Siedlungsgebiet am Mühlenweg.

 

Das Gebiet hat in seinen Außengrenzen eine Größe von 16,4 ha. Ausgenommen davon ist die Fläche des Gewerbebetriebes (Baustoffhandel) südlich des Mühlenweges einschließlich der Straßenanbindung von 0,92 ha.

 

3          Kommunale Flächennutzungsplanung

 

Die Freiraumplanung wird auf der Grundlage und in Übereinstimmung mit der rechtsgültigen kommunalen Flächennutzungsplanung betrieben. Planungsansätze, die eine Änderung der Flächennutzungsplanung erfordern würden, werden nicht verfolgt.

Im Flächennutzungsplan sind folgende Nutzungsarten für folgende Bereiche ausgewiesen:

 

Nutzungsart gem. FNP

Zuordnung

Fläche *

Mischgebiet

nördlicher Teil des Plangebietes an der Falkenrehder Chaussee ohne bestehende Kleingärten

0,3 ha

Grünfläche

- anteilige Fläche des Erbspfuhls

- Gelände der früheren Deponie 

1,6 ha

3,3 ha

Verkehrsfläche

Wiese im Verbund der Garagenkomplexe am Mühlenweg mit Standort der Glas-Container

1,2 ha

Fläche für

Landwirtschaft

alle anderen Flächen einschließlich der Kleingärten und Flächen mit diversen Nutzungen

9,1 ha

   

* Flächengrößen gerundet

 

4          Bestandssituation und Rahmenbedingungen

 

4.1       Veränderungen seit 2010, Lenkung von Kompensationsmaßnahmen

 

Im Bearbeitungsgebiet haben sich seit 2010 zwei wesentliche Veränderungen vollzogen

 

Deponie

Die Sanierung und Rekultivierung der ehemaligen Deponie am Wasserturm wurde 2011 vollständig abgeschlossen. Die von der Deponie beanspruchten Flurstücke wurden zum großen Teil von der Stadt erworben. Sie stehen damit einer künftigen Freiflächengestaltung unmittelbar zur Verfügung. Aktuell wird die Freifläche im Rahmen der Deponie-Nachsorge durch periodische Mahd offen gehalten. Sie wird seit Abschluss der Sanierung als begehbare Freifläche zunehmend angenommen und ist jetzt auch künftigen planmäßig gelenkten Freiraumnutzungen zugänglich.

 

Zwischenlagerplatz für kompostierbare Abfälle

Der frühere Zwischenlagerplatz für kompostierbare Abfälle wurde 2011 vollständig beräumt und der Platz für diese Nutzung vollständig geschlossen. Die 2010 noch ins Auge gefasste Erhaltung des Platzes in seiner Funktion in Verbindung mit einer Umgestaltung (Planungsansatz S1) war aus praktischen Erwägungen heraus überholt. Zum einen bildete der Platz eine Störung im Gesamtbild des Geländes, die auch mit einer Umgestaltung nur bedingt hätte überwunden werden können. Zum anderen war ein sehr hoher Aufwand für die Umgestaltung absehbar, insbesondere für die Einzäunung und ggf. Sichtabschirmung. Unter diesen Aspekten wurde entschieden, den weiterhin notwendigen Zwischenlagerplatz auf einer anderen Teilfläche im Flurstück 1017 neu anzulegen. Dieser Platz, für den durch den Landkreis Havelland eine Baugenehmigung erteilt wurde, besitzt eine direkte Anbindung an den Mühlenweg. Er ist weitgehend durch Wälle und Böschungen gegenüber der Umgebung abgeschirmt. Die Zufahrten wurden durch Zäune geschlossen, so dass nicht bestimmungsgemäße Ablagerungen weitgehend unterbunden sind.

Der frühere Lagerplatz steht jetzt für eine Entwicklung als öffentliche Grünfläche zur Verfügung.

        

 

 Deponie  Zwischenlager

 

  Rekultivierte Deponie am Wasserturm

 

Neu angelegter Zwischenlagerplatz für kompostierbare

Abfälle im Flurstück  1017 – Stand 2011 vor der  Lagerflächenbefestigung

 

 

Naturschutzrechtliche Kompensationsmaßnahmen

Im Rahmen der Aufstellung des Bebauungsplanes 01/06 Blumenweg wurde für das Flurstück 630 die Festsetzung einer Anpflanzung von 14 Laubbäumen (Stieleiche, Hängebirke) der Qualität Hochstamm mit StU 12-14 cm festgesetzt.

Für die Realisierung einer Ausgleichsverpflichtung aus einem privaten Bauvorhaben wurde durch die Stadt das Flurstück 1017 bereitgestellt. Hier handelt es sich die Anpflanzung von 12 Laubbäumen der Qualität Hochstamm 14-16 cm.

Die konkreten Plätze der Anpflanzungen wurden bisher noch nicht definiert.

 

4.2       Flächen- und Nutzungsstruktur

 

Das Bearbeitungsgebiet weist eine vielfältige Flächen- und Nutzungsstruktur auf.

 

Landwirtschaftliche Nutzflächen

Hierunter fallen sowohl die bewirtschafteten Ackerflächen Richtung Falkenrehder Chaussee als auch die Gründländereien am Erbspfuhl und östlich der Deponie.    

 

Kleingärten

Die Kleingärten verteilen sich auf drei Teilflächen - nördlich des Mühlenweges, am Verbindungsweg zur Falkenrehder Chaussee und südlich des Baustoffhandels

 

Flächen mit öffentlicher Sonderfunktion

Öffentliche Flächen mit Sonderfunktion sind der neu angelegte Zwischenlagerplatz für kompostierbare Abfälle, der Bolzplatz und die zugleich als Fahrzeugstell- und –wendeplatz genutzte Freifläche in der Nähe der Garagen.

 

Ruderale Grünflächen

Diese Flächen nehmen einen  relativ großen Anteil im Gebiet ein. Sie unterliegen keiner geordneten Nutzung oder Pflege und erfüllen auch keine Erholungsfunktion. An vielen Stellen finden sich ungeordnete Ablagerungen. Der Einfluss durch Tritt oder befahren ist relativ gering, so dass sich überwiegend dichte Gras- und Staudenfluren z.T. mit jungem Gehölzaufwuchs ausgebildet haben.   

 

Rekultivierungsgebiet

Als Rekultivierungsgebiet ist der Deponiekörper erfasst.

 

Gehölzflächen

Gehölzbestände sind überwiegend kleinflächig eingestreut anzutreffen. Ein größerer zusammenhängender Bestand erstreckt sich nördlich der Deponie. Bei den Gehölzbeständen handelt es sich sowohl um Anpflanzungen, die keiner Pflege mehr unterliegen als auch um typischen „Wildaufwuchs“ aus natürlicher spontaner Ansiedlung.

 

Straßen und Wege

Die zentrale Erschließungsstraße des Bearbeitungsgebietes ist der Mühlenweg, der im Osten in den Grünen Weg mündet. Der Mühlenweg ist zum größten Teil mit Betonplatten befestigt und für den Kfz-Verkehr auch für größere Fahrzeuge nutzbar. Er stellt zwar eine mögliche Verbindung aus der Stadt über den Grünen Weg zur Falkenrehder Chaussee dar, ein typischer Durchgangsverkehr ist jedoch nicht ausgeprägt.

Befestigt ist auch die ehemalige Zufahrt zur Deponie. Die anderen Wege sind nicht ausgebaut, jedoch deutlich verdichtet. Häufigste Quellen des Kfz-Verkehrs auf diesen Wegen sind die Kleingärtner.

 

Feuchtgebiet Erbspfuhl

Hierbei handelt es sich um ein naturnahes Feuchtgebiet in einer natürlichen Geländesenke mit ausgedehnten Röhrichten und Weidengebüschen.

 

4.3       Gebietscharakter und Defizite

 

Seinem Charakter nach handelt es sich bei dem Plangebiet um eine siedlungsgeprägte offene Kulturlandschaft in der Stadtrandzone. Die Siedlungsprägung ist bestimmt durch die Nähe zum Wohngebiet, durch die Verkehrswege, die Kleingärten und die Flächen mit öffentlicher Sonderfunktion. Auch die Deponie ist Bestandteil und Folge der Siedlungsnutzung. Die Bedeutung landwirtschaftlicher Nutzung ist im Gesamtbild untergeordnet.  

Als wesentliches aktuelles Defizit im Hinblick auf eine koordinierte Entwicklung ist die relative Zersplitterung des Bearbeitungsgebiets in große, kleine und kleinste Teilflächen anzusehen. Grün- und Landwirtschaftsflächen ohne Nutzung unterliegen einer fortdauernden „Verwilderung“. Für den Bolzplatz und den Park- und Wendebereich für LKW besteht ein offensichtlicher Bedarf der Neuordnung bzw. der Verlagerung.

In den frei zugänglichen Bereichen mangelt es an gestalteten Flächen, die einen Anziehungswert für Aufenthalt und Erholung besitzen. Außer dem Bolzplatz gibt es keine Anlagen für sportliche Aktivitäten. Die Attraktivität für das Landschaftserlebnis ist gering.

 

4.4       Wesentliche Rahmenbedingungen

 

In der Bearbeitung werden folgende wesentliche Rahmenbedingungen als zu beachtende Voraussetzungen berücksichtigt

 

a. Erhaltung bestehender Straßen- und Wegeverbindungen

b. Erhaltung der Solitärbäume, Baumreihen und –gruppen sowie der  Gebüsche 

c. Erhaltung der Kleingartennutzung

d. Gewährleistung der bestehenden Dominanz von offenen Freiflächen

e. Einbindung der Bereiche mit durchgeführten naturschutzrechtlichen

    Kompensationsmaßnahmen

 

4.5       Flächeneigentum

 

Das Plangebiet umfasst anteilig sowohl öffentliche als auch private Grundstücke. Mit dem Erwerb des größten Teils des Rekultivierungsgebietes durch die Stadt hat sich die Verfügbarkeit für öffentlich geplante Entwicklungsvorhaben deutlich verbessert. 

Für alle von der Konzeption einbezogenen privaten Grundstücke oder Grundstücksteile ist es vorgesehen, das Einvernehmen mit den Eigentümern und Nutzern zu den Planungszielen herzustellen. Die Diskussion dazu soll anhand einer schrittweisen Weiterführung und Detaillierung der Planung erfolgen.

 

5          Entwicklungs- und Gestaltungskonzept

 

5.1       Auswertung der Ideen und Vorschläge seit 2010

 

5.1.1    Nutzungsvorschläge der Arbeitsgruppe „Aktiv im Alter“  

 

Die Vorschläge und Anregungen dieser Arbeitsgruppe wurden über einen längeren Zeitraum zusammengetragen und diskutiert und in dem Forum  „Kreativ-Café“ vorgestellt und schriftlich dargelegt. Die Überlegungen in Bezug auf das Bearbeitungsgebiet orientieren sich grundsätzlich an der Idee „Nutzung einer freigewordenen Deponie als Naherholungsgebiet“. Sie lassen sich in folgenden vier Kategorien zusammenfassen:

 

A.        Gartenkultur

Hierunter fallen die Vorschläge zur Einrichtung eines Schulgartens und eines Kräutergartens. Anregungen zur örtlichen Einordnung solcher Flächen wurden nicht gegeben.

 

B.         Erholungs- und Sportanlagen

Vorgeschlagen wurden

- Minigolf

- Skaterbahn

- Spielplatz

- Hindernisbahn

- Aussichtspunkt                 (vergleichbar 2010 Aussichtsplatz)

- Barfuß-Pfad

- Trimm-Dich-Pfad

- Naturlehrpfad (s.5.1.3).

 

Hierbei handelt es sich um Anlagen, deren Errichtung absehbar mit einem hohen Bauaufwand verbunden ist. Zusätzlich entsteht in der Perspektive dauerhaft ein hoher Sicherungs- und Unterhaltungsaufwand.   

 

C.        Aktivitätsfelder der geländegebundenen Erholung

Vorgeschlagen wurden

- Fahrrad-Parcours             (vergleichbar 2010 Mountainbike-Strecke)

- Rodelbahn                        (vergleichbar 2010 Rodelhang)

- Walking-Parcours

- Skilanglaufstrecke (s.5.1.3).

 

Hierbei handelt es sich um Einrichtungen, deren Schaffung absehbar ebenfalls mit Bauaufwand, insbesondere zur Freistellung und Modellierung des Geländes verbunden ist. Hingegen wird hier der künftige Unterhaltungsaufwand deutlich geringer ausfallen als bei Erholungs- und Sportanlagen.

 

D.        Geh-, Rad- und Reitwegekonzept

Der inhaltliche Bezug besteht darin, dass in dem ausgewiesenen Wegekonzept der Stadt der Grüne Weg als Wander-, Rad- und Reitweg ausgewiesen ist. Somit  bestehen Anknüpfungspunkte an mögliche neue Wegeführungen, die im Rahmen der Freiraumplanung konzipiert werden (s.a. 5.1.3).

 

 

5.1.2    Einzelvorschläge

 

Platz für kompostierbare Abfälle

Seitens eines ortsansässigen Unternehmers gibt es Interesse zur Schaffung einer Sammelstelle für kompostierbare Abfälle an einer geeigneten Stelle im Plangebiet. Angaben zum Platzbedarf liegen nicht vor.

Die Realisierung eines solchen Vorhabens bedarf zum einen einer Ausnahmegenehmigung von der Abfallsatzung des Landkreises und zum anderen in Abhängigkeit von der Umschlagsmenge voraussichtlich nach Anhang I Nr. 8.14 Spalte 2 der 4.BImSchV einer immissionsschutzrechtlichen Genehmigung gem. § 4 Abs. 1 BImSchG. Darüberhinaus ist zu prüfen, inwieweit eine solche Anlage mit der Ausweisung „Fläche für Landwirtschaft“ des Flächennutzungsplanes vereinbar ist.

            Nach vorläufiger Beurteilung käme für die Ansiedlung nur die Nachbarfläche des kommunalen Zwischenlagerplatzes für kompostierbare Abfälle mit Anbindung an den Mühlenweg in Frage. 

 

Motocross-Strecke

Seitens eines Bürgers gab es die Anfrage, ob auf einer Teilfläche das Motocross fahren ermöglicht werden kann.

Eine solche Strecke bedarf nach Anhang 1 Nr.10.17 Spalte 2 der 4. BImSchV einer Genehmigung gem. § 4 Abs. 1 BImSchG.  

Die Einrichtung einer Motocross-Strecke ist insbesondere wegen der Nähe zu Wohngebieten und Kleingärten aus Gründen des Lärmschutzes nicht realistisch. Des Weiteren sind Konflikte mit anderen Erholungsinteressen auf der früheren Deponie und in ihrem Umfeld zu erwarten.    

Es wird vorgeschlagen, diesen Nutzungsvorschlag in der Freiraumplanung nicht weiter zu verfolgen.

 

Fläche für Sportanlagen

Seit dem Jahr 2011 gibt es im Rahmen der Stadtentwicklung neue Überlegungen, einen Komplex von Sportanlagen am östlichen Stadtrand neu zu entwickeln. In diesem vorläufig „Campus“ genannten Projekt soll die Erneuerung von Sportanlagen für die Europa-Schule Ketzin (Neubau Sporthalle, Verlegung Sportplatz) mit der Schaffung von weiteren, der allgemeinen Öffentlichkeit zugänglichen Sport- und Erholungsanlagen bzw. -flächen verbunden werden. Der in die Projektüberlegungen einbezogene Raum erstreckt sich von Falkenrehder Chaussee im Norden über das Umfeld des heutigen Bolzplatzes bis zum Sportplatz. Dieser Raum überlagert sich in Teilen mit dem Bearbeitungsgebiet der Freiraumplanung. Unter anderem steht auch eine direkte Verkehrserschließung von der Falkenrehder Chaussee als Entlastung der Wohngebiete in der Diskussion.

Die Projektidee „Campus“ steht nicht im Widerspruch zur Ausgestaltung des Freiraums um den Wasserturm. Da es sich voraussichtlich um ein Vorrangkonzept der Stadtentwicklung handelt, kann die Freiraumplanung den Flächenbedarf in seinen Grundzügen bereits frühzeitig berücksichtigen und Anknüpfungspunkte entwerfen.    

 

 


5.1.3    Bewertung ausgewählter Vorschläge

 

Skilanglauf-Strecke

Das Bearbeitungsgebiet ist für die Kennzeichnung einer Skilanglauf-Strecke zu klein und zu ungünstig strukturiert. Für solche Aktivitäten ist die östlich gelegene Offenlandschaft mit ihrer Wegen sowie Feld- und Wiesenfluren wesentlich besser geeignet.

 

Naturlehrpfad

Aktuell gibt es im Plangebiet keine Ansatzpunkte für einen Naturlehrpfad. Es fehlen Elemente, Merkmale oder Lebensräume, die sich für eine Heraushebung und Verknüpfung in einem Naturlehrpfad eignen würden, wie z.B. besondere Biotope, markante Bäume oder seltene Lebensstätten. Der Erbspfuhl als Komplex geschützter Feuchtbiotope ist in seiner Qualität und Funktion auf Störungsfreiheit angewiesen.

Es wird vorgeschlagen, den Vorschlag eines Naturlehrpfades in der Freiraumplanung nicht weiter zu verfolgen.

 

Reitwege

Das Bearbeitungsgebiet ist nicht geeignet für die Ausweisung von ergänzenden Reitwegen. Das Areal ist in seinen unterschiedlichen Nutzungen dafür zu engräumig. Eine Kombination mit anderen, teils neu anzulegenden unbefestigten Wegen (Fußwege, Trittpfade, Radparcours) erzeugt Interessenkonflikte. Die Eignung des Grünen Weges ist als hinreichend anzusehen. Mit Anschlusswegen an den Grünen Weg würden Reiter unnötig in den Freiraum um den Wasserturm gelenkt.  

 

5.2       Leitbild

 

Für das Plangebiet soll der Charakter als stadtnahe offene Kulturlandschaft erhalten und in neuer Qualität weiter entwickelt werden. Die Hauptorientierung soll dabei auf der Ausgestaltung der Möglichkeiten und Angebote der örtlichen Naherholung und des landschaftsgebundenen Freizeitsports liegen, die auch ohne Motorisierung auf kurzen Wegen aus dem Siedlungsgebiet heraus erreichbar sind. Die Entwicklung von Erholungsflächen und  -angeboten wird mit einer Verdichtung des Wegenetzes verbunden. Motorisierte Sportaktivitäten werden ausgeschlossen.    

Die bestandsgeschützten Nutzungen wie Kleingärten, Landwirtschaft und Gewerbe sollen erhalten werden. Veränderungen werden unter Berücksichtigung dieser Bedingungen geplant und verwirklicht. 

Ein konkretisiertes Konzept zur Entwicklung des „Campus“ hat auf der entsprechenden Teilfläche aufgrund des hohen öffentlichen Interesses Vorrang vor der sonstigen Freiraumplanung.  

 

5.3       Flächenkategorien für die Freiraumplanung

 

Entsprechend den örtlichen Voraussetzungen bieten sich für die Planung folgende unterschiedliche Flächenkategorien an

 

- Rekultivierungsfläche (R) 

- Flächen mit öffentlicher Sonderfunktion  (S)

- Offenland am grünen Weg (O)

- Potenzial für naturschutzrechtliche Kompensationsmaßnahmen (K)

 

 

 

5.4       Planungsansätze für die Flächenkategorien

 

5.4.1    Erschließung und Gestaltung der Rekultivierungsfläche (R)

 

Wegesystem

Das Rekultivierungsgebiet wird an das bestehende Straßen- und Wegenetz angebunden und mit neuen Fußwegen ausgestattet. Dabei werden die beiden früher genutzten Betriebszufahrten aus der Zeit der Deponiesanierung genutzt. Die Verbindung zwischen diesen beiden Anschlüssen wird als gewundener Weg in der Lage der ehemaligen Fahrstraße gesichert und über den höchsten Geländepunkt der Fläche geführt. Von dieser Verbindung werden zwei weitere Wegestücke völlig neu eingerichtet. Davon führt eine am westlichen Rand der Grünlandflächen direkt zum Mühlenweg, die andere verläuft auf dem mittleren  Damm im Grünland bis zum Grünen Weg. Damit ist eine fußläufige Erreichbarkeit der umgestalteten Rekultivierungsfläche aus allen Richtungen gewährleistet.

Die Wege werden mit Breiten von 3 m im Hochgelände und mit 2 m in den Anschlussverbindungen ausgelegt und sollen unbefestigte Oberflächen behalten. Ob die Wegefunktion durch Verdichtung der vorhandenen Bodenoberfläche gesichert werden kann oder die Herstellung gesonderter Beläge erforderlich ist, soll im Rahmen einer Ausführungsplanung ermittelt und entschieden werden.  

Die Befahrbarkeit mit Fahrrädern wird zugelassen.

 

Aussichtsplatz

Auf dem höchsten Punkt der Fläche wird am Weg ein Aussichtsplatz eingerichtet. Neben Sitzgelegenheiten kann hier eine Informationstafel aufgestellt werden. Ein Lagerfeuerplatz wird ausgeschlossen. 

 

 Aussichtsplatz  Geländeeinschnitt

 

 Höchste Stelle auf der ehemaligen Deponie – geeignet

 für die Einrichtung eines Aussichtsplatzes (hier Blickrich-

 tung Osten)

 

 Geländeeinschnitt am Mühlenweg (heute überwiegend

 Fläche für illegale Ablagerungen) – geeignet für eine

 neue Wegeanbindung zum Deponiehügel

 

Rodelhang

In der Praxis der beiden vergangenen Winter nach Abdeckung der Deponie hat sich der Westhang als meistgenutzter Rodelhang erwiesen. Diese Nutzung ist jedoch von der Gefahr begleitet, dass bei der Querung des Weges am Hangfuß (Lücke zwischen zwei Feldhecken) in der Böschung Stürze und damit Verletzungen entstehen. Die Zulassung einer Gefahr ist jedoch mit dem Charakter als öffentliche Fläche der Naherholung nicht vereinbar. Eine praktikable Lösung wäre die Lückenschließung durch eine Ergänzungspflanzung.

Ebenfalls als Rodelhang wurde der günstig geneigte Südhang des Deponiekörpers genutzt. Dieser ist für eine gefahrlose Nutzung durch die Allgemeinheit am besten geeignet. Hier soll sich die saisonbedingte Nutzung konzentrieren. Um den Auslauf am Hangfuß zu verbreitern könnten 1 bis 2 Bäume aus der Baumreihe an andere Stelle umgepflanzt werden. Noch sind die Bäume dafür jung genug. Zur Verbesserung des Gefälles an diesem Hang wird an der Kuppe voraussichtlich ein Bodenauftrag mit Geländemodellierung erforderlich.  

Die Eignung für winterliche Nutzung geht aus der Praxis in das allgemeine Erfahrungswissen der Bevölkerung ein. Insofern ist eine gesonderte Ausschilderung voraussichtlich nicht notwendig.

 

Fahrrad-Parcours

Der frühere Deponiekörper bietet wegen seines Höhenprofils und im Verbund mit den östlich angrenzenden Freiflächen gute räumliche Voraussetzungen für einen eigenständigen kleinen Fahrrad-Parcours. Dieser könnte sowohl für die Lernphase des Fahrradfahrens als auch mit Tour- oder Mountainbikes genutzt werden.

Als Grundidee wird angeregt, eine größere Außenrunde von etwa 800 m Länge mit 2 bis 3 Querverbindungen auszuweisen, so dass ein etwa 1000 – 1100 m langer Parcours entsteht. 

Abschnittsweise werden dafür voraussichtlich Wegebauarbeiten mit Aufschüttungen, Verdichtungen und zur Profilanpassung erforderlich. 

 

Freiflächen

Die aus der Rekultivierung hinterlassenen Freiflächen werden als extensive Wiesen- oder Staudenfluren entwickelt.

Der sukzessive Aufwuchs einjähriger Kräuter soll in einer zweijährigen Vorbereitungsphase dauerhaft zurückgedrängt werden

1. Jahr            2 x mähen mit Bodenbearbeitungen und  Gras/Kräuteransaat

2. Jahr                        1x mähen mit Bodenbearbeitung und Nachsaat

Ab dem 3. Jahr kann eine dauerhafte extensive Pflege durch jährlich einmalige Mahd durchgeführt.

 

Der Deponiehügel wird sich zu einem Bereich mit vorwiegend trockenen und wärmegetönten Lebensräumen entwickeln, der auch günstige Voraussetzungen für die daran angepasste Fauna besitzt. Auf eine gesonderte Schaffung von Kleinlebensräumen für diese Fauna soll jedoch mittelfristig verzichtet werden. So sind z.B. Steinpackungen oder Totholzablagerungen realistischer Weise eher als Initialpunkte für illegale Ablagerungen und auch als potenzielle Unfallquellen anzusehen.

Die Zweckmäßigkeit zielgerichteter Aufwertung von Biotopstrukturen kann nach einer Entwicklungszeit von mindestens 5 Jahren neu geprüft werden. In Abhängigkeit von den bis dahin gestalteten oder eingebürgerten Nutzungen werden auch störungsfreie Teilflächen entstehen, die dann u.U. Vorrang in der Biotoppflege gewinnen können.  

 

5.4.2    Flächen mit öffentlicher Sonderfunktion (S)

 

5.4.2.1 Zwischenlagerplatz für kompostierbare Abfälle (S1)

 

Der neue Zwischenlagerplatz für kompostierbare Abfälle erfüllt nach Lage und Kapazität seine Funktion für die Stadt. Die Außenwirkung als Nutzfläche kann durch ergänzende Sichtschutzpflanzungen gemindert werden.

 

5.4.2.2 Bolzplatz (S2)

 

Der Bedarf für einen Bolzplatz kann als gegeben angesehen werden. So ein Platz soll deshalb auch Bestandteil des beplanten Freiraums bleiben. Vor dem Hintergrund der Idee einer größeren Fläche für Sportanlagen („Campus“) zeichnet sich in der Perspektive ein Neubau an anderer Stelle ab.

 

5.4.2.3 Wende- und Stellplatz für LKW (S3)

 

Für die Nutzung einer Freifläche als Wende- und Stellplatz für LKW gibt es weiterhin  einen grundlegenden Bedarf, auch wenn diese Nutzung nur unregelmäßig, insbesondere an Wochenende erfolgt.

Durch die räumliche Überlagerung mit der konzipierten zusammenhängenden Fläche für Sportanlagen ist eine  geordnete Verlagerung auf die Grünfläche mit den Glascontainern (im FNP Verkehrsfläche) nicht mehr realistisch. Ein neuer Platz kann nur im Verbund mit erforderlichen Kfz-Parkflächen für den „Campus“ gefunden werden.   

 

5.4.3    Gestaltung und Nutzung des Offenlandes am Grünen Weg (O)

 

Die zusammenhängenden Grünlandflächen zwischen Rekultivierungsflächen und Grünem Weg sind geeignet, verschiedene Nutzungen und Entwicklungen aufzunehmen. Die Nutzung als Grünland durch Mahd wird bei gesichertem Bedarf auf Teilflächen weitergeführt. Darüberhinaus wird eine Teilfläche als Vorsorgefläche für Naturschutz bereitgestellt, in welcher Kompensationsmaßnahmen, z.B. Anpflanzungen vorgenommen werden können.  Als weitere Gestaltungsvariante wird eine Fläche zur Anlage eines „Waldes der Generationen“ ausgewiesen. Ein solcher Generationenwald (ggf. Generationenpark) soll Bürgern und Familien die Möglichkeit geben, anlässlich besonderer Ereignisse (z.B. Hochzeit, Geburt, Taufe, Geburtstags- oder Ehejubiläen) einen eigenen Baum zu pflanzen und aufzuziehen. Die vorgesehene Fläche soll in unterschiedliche Quartiere gegliedert und auf Wegen begehbar sein. Ein sich allmählich in unterschiedlichen Stufen entwickelnder Wald oder Park kann die Beziehung der Einwohner zu ihrer Stadt festigen aber auch ein Zielpunkt von Besuchern sein.  Nicht zuletzt besteht auf diesen Grünflächen auch ein Potenzial zur Aufforstung, womit z.B. der Bedarf nach Ersatzaufforstungen im Rahmen von planungsrechtlichen Waldumwandlungen gem. Landeswaldgesetzt gedeckt werden könnte. So ließe sich ein räumlicher Verbund mit der Fläche K-1 herstellen (s. 5.4.4.1)

 

 Grüner Weg

Nördliche Teilfläche des Offenlandes am Grünen Weg - hier bestehen Voraussetzungen für eine Weiternutzung als Grünland, für naturschutzgemäße Bepflanzungen oder für Aufforstungen.


Intensivlandwirtschaft wird ausgeschlossen.

Voraussetzung für eine konkrete Flächenverteilung ist ein abgestimmtes Wegesystem (z.B. Verbindungswege, Fahrrad-Parcours/s.o.), auf dessen Grundlage unterschiedliche Nutzungen eingeordnet werden können.

 

5.4.4    Potenzial für naturschutzrechtliche Kompensationsmaßnahmen (K)

 

5.4.4.1 Flächenausweisungen

 

K 1 - Waldfläche

Die nördlich an die Rekultivierung anschließende Fläche wird zusammenhängend für eine Entwicklung als kleine Waldinsel vorgesehen. Einbezogen sind sowohl die bereits mit Sukzessionsgehölzen bewachsene Fläche als auch die zum Mühlenweg überleitenden Grünflächen. In der Gehölzfläche werden forstfachlich abgestimmte Pflegemaßnahmen und standortgeeignete Nachpflanzungen mit Waldbaumarten (Laubbäume) vorgenommen. Die anderen Grünflächen werden nach der Standortvorbereitung unterhalb der Erdwälle fachgerecht aufgeforstet. In die erforderliche Detailplanung wird die zuständige Forstbehörde einbezogen.

Die Aufforstung und die Pflege können bei Bedarf als Ersatzaufforstungsmaßnahmen i.S. des § 8 Landeswaldgesetz eingestuft werden. 

Für den Fall, dass hier die Teilfläche am Mühlenweg für eine privat betriebenen Sammelplatz für kompostierbare Abfälle (s. 5.1.3) bereitgestellt wird, verringert sich die zu entwickelnde Waldfläche.  

 

K 2 - Vorsorgefläche Naturschutz

Die südlich an das Erbspfuhl angrenzende Fläche unterliegt keiner regelmäßigen landwirtschaftlichen Nutzung. Mit ihrer Lage zwischen den Kleingärten und Ackerfläche sowie dem Übergang in das feuchte Luch eignet sie sich als Pufferfläche für diesen geschützten Biotopkomplex. Zweckmäßig ist daher eine langfristige Erhaltung durch extensive Wiesenpflege mit lockerem Bestand natürlich aufgewachsener Gehölze. Eine sukzessive Entwicklung mit Verbuschung und ggf. Waldentwicklung widerspräche dem Ziel der Dominanz von Offenland. 

 

Nutzungsfreies Grünland südlich des Erbspfuhls –  

geeignet für eine naturschutzgerechte Wiesenpflege (Fläche K2)

 Ebspfuhl

 

 

K 3 -  Flächen für Anpflanzungen

Insbesondere in den nutzungsfreien Grünflächen öffentlicher Flurstücke können zielgerichtet Bereiche für Anpflanzungen ausgewiesen werden. Diese Pflanzungen eignen sich zur allmählichen Eingrünung und Sichtabschirmung benachbarter Gewerbefläche oder zur Neugestaltung nach Nutzungsaufgabe.

Kompensationsverpflichtungen aus Eingriffsvorhaben (Festsetzung, monetäre Bewertung) oder nach Baumfällungen können zweckmäßig in solche Teilflächen gelenkt werden. Die Stadt hat in der planerischen Praxis bereits auf diese Möglichkeit zurückgegriffen (s. 4.1). 

Folgende Bereiche sind als vorrangig anzusehen

 

Flurstück 630

- Teilfläche des beräumten Zwischenlagerplatzes für kompostierbare Abfälle

- nordwestliche Randfläche

 

Flurstück 1017

Die nördlich des Gewerbestandortes (Baustoffhandel) gelegene ruderale Grünfläche

kann durch unterschiedliche Pflanzungen gestaltet werden, bei Erhaltung und Einbeziehung der wild aufgewachsenen Gehölze.

 

Als Instrument für die ggf. in Teilschritten zu vollziehende Realisierung wäre jeweils ein abgegrenztes Flächenkonzept zu empfehlen, z.B. in Gestalt einer Funktionsgliederung oder eines Pflanzplanes. 

 

 ruderale Grünfläche

Ruderal geprägte Grünfläche im Flurstück 1017 mit Fremdablagerungen ohne aktuelle Nutzung auf der Nordseite des Baustoffhandels (K3) - geeignet für Kompensationsmaßnahmen

 

5.4.4.2   Sonstige Möglichkeiten

 

Das Plangelände ist hinreichend groß und aufgelockert, um an ausgewählten Stellen Gestaltungspflanzungen vorzunehmen. Hierzu können sowohl Einzelbaumpflanzungen an markanten Stellen als auch lineare Gehölzpflanzungen gehören. Praktiziert wurden solche Pflanzungen bereits im Rahmen der Kompensationsverpflichtungen der MEAB mbH Potsdam mit der Anpflanzung von Feldhecken und einer Baumreihe am Fuß der Deponie sowie einer neuen Obstbaumreihe am Grünen Weg. Diese Beispiele können eine Orientierung bilden.

Darüberhinaus ist auch die Durchführung dauerhafter Pflegemaßnahmen auf kleineren Offenflächen möglich.

 

5.5       Einzelmaßnahmen zur Gestaltung und Strukturverbesserung

 

Zur Gestaltung und Strukturverbesserung sind an verschiedenen Stellen Einzelmaßnahmen zweckmäßig, wie Beräumungen von Ablagerungen, Erneuerung von Zäunen oder auch die Erneuerung bzw. Ertüchtigung von Geh- und Fahrwegen.

Auf einer Nebenfläche des zentralen Kleingartenkomplexes haben sich Nebennutzungen wie Materiallagerungen und das Parken „eingebürgert“. Gerade hier bestünde nach Beräumung der Fläche z.B. die Möglichkeit der Einrichtung eines Kräutergartens (s. 5.1.1). Lage und Flächengröße sind günstig für die dadurch entstehende Abrundung der Kleingartenanlage.

 

 Nebennutzung  unbefestigter Weg

 

„Eingebürgerte“ Nebennutzung außerhalb des zentralen

Kleingartenkomplexes (Materiallagerung, Parkplatz) -   geeigneter Platz für die Anlage eines Kräutergartens   

 

  Unbefestigter Weg an den nördlichen Kleingartenanla-

  gen mit Anbindung an die Falkenrehder Chaussee –

  Beispiel für einen ästhetisch ansprechenden Wegever-

  lauf 

 

5.6       Flächen ohne Funktionsänderung        

 

Im Rahmen der Planung sollen jene Flächen abgegrenzt und gekennzeichnet werden, für die keine Nutzungs- oder Funktionsänderung notwendig geplant wird. Hierzu gehören die bestehenden Kleingärten sowie Flächen der Ertragslandwirtschaft. 

 

5.7       Planungsbegleitender Prüf- und Regulierungsbedarf

 

5.7.1    Kleingärten im Flurstück 630

 

Die Kleingärten im nördlichen Teil des Bearbeitungsgebietes, am Verbindungsweg zur Falkenrehder Chaussee, liegen anteilig auf dem öffentlichen Flurstück 630. Im Zuge einer weiteren Detaillierung der Freiraumplanung werden die sachlichen und rechtlichen Nutzungsgrundlagen geprüft, um künftige Entwicklungen unter Berücksichtigung der legitimen Kleingartennutzung möglichst konfliktfrei zu ordnen.

 

5.7.2    Ausweisung Mischgebiet gemäß Flächennutzungsplan

 

Die durch den Flächennutzungsplan (FNP) gegebene Mischgebietsausweisung an der Falkenrehder Chaussee überlagert den nördlichen Teil des öffentlichen Flurstücks 630. Die Ausweisung erfolgte seinerzeit vor dem Hintergrund einer konkret beabsichtigten Gewerbeansiedlung. Diese wurde jedoch seit dem Inkrafttreten des FNP nicht entwickelt. Aus diesem Grund wird geprüft, ob der Teil des öffentlichen Flurstücks 630 von einer gewerblichen Nutzung freigehalten werden kann, um der Freiflächenplanung den hier benötigten Raum zur Anbindung an die Falkenrehder Chaussee zu sichern. Gem.  § 6 Abs. 2 Nr. 5 BauNVO sind im Mischgebiet auch Anlagen für … kulturelle, soziale, gesundheitliche und sportliche Zwecke zulässig. Ein grundsätzlicher Widerspruch zur Kategorie Mischgebiet besteht somit nicht, so dass eine Änderung des FNP nicht erforderlich wird. 

Diese Klärung berührt auch den Planungsansatz der Fläche für Sportanlagen („Campus“/s. 5.1.2 und 5.8).

 

5.8       Orientierungen für die Fläche für Sportanlagen

 

In die weitere planerische Bearbeitung der Fläche für Sportanlagen („Campus“) sollen Orientierungen aus den bisherigen Ansätzen der Freiraumplanung und aus den eingegangenen Vorschlägen aufgenommen werden. Der Sportkomplex wäre der geeignete Bereich, um folgende bau- und unterhaltungsintensive Einzelanlagen unterzubringen:

 

- Bolzplatz (Verlegung)

- Minigolf

- Skaterbahn

- Spielplatz

- Hindernisbahn

- Trimm-Dich-Pfad.

 

In der notwenigen Verkehrsplanung kann auch die Lösung für neue Parkplätze und einen Stell- und Wendeplatz für LKW gefunden werden.

 

 

6          Weiterführende Bearbeitung

 

6.1       Staffelung nach Prioritäten

 

6.1.1    Allgemeine Einstufung

 

Die Realisierung von Vorhaben der Freiraumgestaltung soll sich an folgender Prioritätseinstufung orientieren

 

I           Realisierung von rechtsverbindlichen Kompensationsmaßnahmen

 

Derartige Maßnahmen unterliegen i.d.R. einer Fristsetzung durch den jeweiligen  Genehmigungsbescheid. Mit einer vorbereitenden Detailplanung für geeignete Flächen kann außerdem auch eine „Reserve“ für die Zuordnung weiterer Kompensationsmaßnahmen geschaffen werden.

 

II          Entwicklung von Aktivitätsflächen der geländegebundenen Erholung

 

Weges des voraussichtlich zeitlich begrenzten Planungs- und überschaubaren Bauaufwandes sollen solche Flächen möglichst schnell für die Öffentlichkeit verfügbar gemacht werden. Hier kann auch die Errichtung eines Aussichtsplatzes eingeordnet werden.

 

III         Schaffung von Anlagen mit hohem Bauaufwand

 

Hierfür ist ergibt sich i.d.R. ein längere Planungsprozess erforderlich.

 

 

 

 

6.1.2    Prioritäten 2013

 

Für das Jahr 2013 ergeben sich nach dem aktuellen Stand der Bearbeitung folgende Vorrangaufgaben

 

 

a.  Durchführung der rechtsverbindlichen Ersatzpflanzungen

 

Die 26 Baumpflanzungen als Ersatz für Eingriffe in Natur und Landschaft werden auf der Grundlage einer Ausführungsplanung im Herbst 2013 durchgeführt. Es wird vorgeschlagen, beide Teilverpflichtungen (s. 4.1) zusammenzufassen und auf das Flurstück 630 zu lenken. Für die Einordnung bietet sich der beräumte frühere Zwischenlagerplatz an, dessen Neugestaltung damit begonnen werden kann.

 

b.  Wegeführung und Flächenverteilung

 

Für die Ausgestaltung des früheren Deponiekörpers und des benachbarten Offenlandes bis zum Grünen Weg ist die Klärung einer dauerhaften Wegeführung und Flächenverteilung eine wesentliche Voraussetzung. Unter Berücksichtigung, dass sowohl inhaltliche Diskussionen als auch Abstimmungen mit den Eigentümern einbezogener Privatgrundstücke zu führen sind, soll im 4. Quartal der Entwurf über Wege und Flächenverteilung vorgelegt werden.

 

6.2       Fach- und Detailplanung

 

Abgeleitet aus der Staffelung nach Prioritäten wird sich die Notwendigkeit weiterer detaillierter Planungen ergeben. Hierzu gehören u.a. Ausführungsplanungen im Landschaftsbau, bauingenieurtechnische Planungen oder forstfachliche Planungen.

Einzelvorhaben, die u.U. als Eingriffe gem. BNatSchG einzuordnen sind, bedürfen einer naturschutzfachlichen Begleitplanung oder Bewertung.